#7 Einkaufen in China: Wie wirken sich Wechselkurse und Steuer-rückvergütungen aus?

Die chinesische Wirtschaft boomt: Immer noch Wachstumsraten im zweistelligen Bereich! Exportweltmeister 2008! Chinas Entwicklung ist beispiellos und der Beschaffungsmarkt China ist in den Augen vieler zu „dem“ Einkaufsplatz weltweit geworden. Wer preisgünstig beschaffen will, blickt fast automatisch nach China. Doch wird das – unter Berücksichtigung von Wechselkursen und Steuern – auch so bleiben?

Die rasante Wirtschaftsentwicklung in China bringt aber auch Gefahren mit sich. Um diesen vorzubeugen, hat die Regierung in Peking - auch unter internationalem Druck - einige Maßnahmen beschlossen, welche die Einkaufspreise nachhaltig beeinflussen werden. Dazu gehören beispielsweise die schnellere Aufwertung der chinesischen Währung Renminbi (RMB) oder die Senkung der Steuerrückvergütungen beim Export.

Wer über die Beschaffung in China nachdenkt, sollte diese Faktoren in seine Überlegungen miteinbeziehen. Sie werden zwangsläufig dazu führen, dass die Einkaufspreise in China in den nächsten Jahren steigen. Das spricht zwar nicht grundsätzlich gegen einen Einkauf in China, doch für manches Produkt könnte die Beschaffung in anderen Ländern künftig günstiger werden.

Der Erfolgsfaktor Wechselkurs.

Verfolgt man die Tageszeitungen in Amerika und Europa, so finden sich regelmäßig Artikel über die Ungerechtigkeiten, die sich durch die Wechselkursbandbreite der chinesischen Währung gegenüber dem US-Dollar und dem Euro ergeben. Vor allem die Amerikaner geben China – und damit dem unterbewertetem RMB - die Schuld an ihrem aktuellen Handelsbilanzdefizit.

Ob diese Schuldzuweisung realistisch ist, bleibt offen. Immerhin haben die USA bereits Deutschland und Japan mit einer ähnlichen Argumentation zur starken Aufwertung der jeweiligen Landeswährungen gezwungen. Der erwünschte Erfolg, nämlich die Reduktion des amerikanischen Handelsbilanzdefizits, blieb jedoch aus. Dennoch ist die chinesische Währung durch die Anbindung an den Dollar derzeit sicherlich unterbewertet, man geht von 25 – 40 % aus.

In der Vergangenheit gelang es China durch den festen Wechselkurs, ausländische Investitionen in Milliardenhöhe zu erhalten. Investoren mussten lediglich die Rendite im Ausgangsland und in China vergleichen und nicht mit einer weiteren Risikoprämie für die Wechselkursentwicklung kalkulieren.

Wie sich plötzlich liberalisierte Wechselkurse auf ausländische Investitionen auswirken, zeigte sich nach der Asienkrise 1997 deutlich. Während in die Krisenländer von 1990 - 1997/98 im Mittel noch 37,1 Mrd. USD pro Jahr aus dem Ausland investiert wurden, wurden nach der Krise und Flexibilisierung der Wechselkurse 1998 - 2001 jedes Jahr 13,9 Mrd. USD abgezogen.

Bleibt der Boom, droht Überhitzung.

Trotzdem hat China derzeit keine andere Möglichkeit als zu reagieren, denn die hohen ausländischen Investitionen führen zu einem beispiellosen Boom am Aktien- und Immobilienmarkt. Schon reine Spekulationen über einen Crash und der folgende Abzug ausländischen Kapitals wären katastrophal für die chinesische Volkswirtschaft. Um die Inflation auf niedrigem Niveau zu halten und den kontinuierlichen Aufschwung Chinas nicht zu gefährden, ist die Regierung deswegen bemüht, durch politische Eingriffe in die chinesische Wirtschaft das Wachstum zu regulieren.

China wird deshalb an einer kontrollierten Aufwertung der eigenen Währung festhalten müssen. Seit der Währungsreform im Juli 2005 ist der RMB schon um ca. 9 % gegenüber dem Dollar gestiegen – aber dem internationalen Trend der Aufwertung des Euro gegenüber dem Dollar folgend im Vergleich zum Euro gefallen. Da der RMB nicht mehr nur an den Dollar, sondern an einen Währungskorb aus zehn Währungen, darunter auch dem Euro, gekoppelt ist, entspricht die Abwertung des RMB gegenüber dem US-Dollar in den letzten zwei Jahren nicht ganz der Aufwertung des Euro gegenüber dem Dollar.

Für Einkäufer bedeutet das folgendes: Die Waren in China werden alleine durch die Aufwertung des RMB teurer – zumindest sofern die Kontrakte in US-Dollar abgeschlossen werden. Eine recht gute Indikation für die vom internationalen Finanzmarkt erwartete Entwicklung sind die USD/CNY-Non-Deliverable-Forward Rates. Und die sahen Anfang August 2007 wie folgt aus:

Laufzeit     NDF-Kurs
6M    7,352   
9M    7,2473   
1Y    7,1525   
2Y    6,86       
3Y    6,67       
4Y    6,54       
5Y    6,49         (Quelle: Reuters, Stand 01.08.07)

Ende Mai 2007 hat China durch eine Änderung in der Währungspolitik die Möglichkeit für eine noch schnellere Aufwertung geschaffen. Zur Währungsreform 2005 wurde festgelegt, dass der RMB täglich nur um +/- 0,3 % gegenüber einem festgelegten USD-Referenzkurs (welcher der Schlusskurs des Vortages ist) schwanken darf. Am 21.05.07 wurde diese Bandbreite auf +/- 0,5 % erhöht.  Im allgemeinen wird von einer Währungsaufwertung von ca. 5 % jährlich ausgegangen.

Aufgrund der starken Entwicklung des Euro haben viele chinesische Lieferanten ein starkes Vertrauen in diesen. Bei Umstellung der Einkaufskonditionen auf Euro könnte man kurzfristig also Preiserhöhungen entkommen, langfristig jedoch nur, wenn der Euro international weiter an Wert gewinnt. Die Finanzmärkte sehen die langfristige Abwertung des Euro gegenüber dem RMB jedenfalls, verglichen mit dem Dollar, schwächer als vorher. Auch hier bieten die 2007-Non-Deliverable-Forward-Rates einen guten Einblick in die Erwartungen:

Laufzeit    NDF-Kurs
1y    9.9400
2y    9.5900
3y    9.3800  (Quelle: Dresdner Bank, Stand: 01.08.07)

Vor großen Investitionen empfiehlt es sich, die Entwicklung der Währungen zu berücksichtigen und mit den Entwicklungen in anderen potenziellen Beschaffungsmärkten zu vergleichen.

Einen positiven Effekt hat die Aufwertung übrigens: Produktionen, bei denen teure Rohstoffe importiert werden müssen, profitieren von dem stärkeren RMB. Denn solche Importe werden tendenziell billiger.

Der Erfolgsfaktor Steuerrückvergütung

Zum 01.07.2007 hat die chinesische Regierung die Steuerrückvergütungen beim Export gesenkt. Produzenten bekommen nun in vielen Fällen einen deutlich kleineren Teil der 17 %igen Umsatzsteuer beim Export zurück. Damit werden viele chinesische Produkte schlagartig teurer.

Bereits im September 2006 wurden die Rückvergütungssätze angepasst, um Forderungen der WTO nachzukommen. Rückvergütungen für umweltunfreundliche und ressourcen-verschwendende Produktionen wurden gesenkt und zugleich die für High-Tech-Produkte mit hoher Wertschöpfung erhöht.

Die jüngste Anpassung stellt einen rapiden Einschnitt in das System dar. Für viele Produkte wurde die Rückvergütung von 13 % oder 11 % auf 5 % gekürzt. Die Handelskammern in Deutschland sollten über Listen der betroffenen Produkte und Zolltarifnummern Auskunft geben können.

Mit der Kürzung der Rückvergütungen beabsichtigt die Regierung in Peking, ein Überhitzen der chinesischen Wirtschaft zu verhindern und die technologische Entwicklung Chinas zu fördern. Der Handelsbilanzüberschuss Chinas soll beschränkt und die Konjunktur abgekühlt werden, zudem sollen chinesische Produzenten dazu angeregt werden, höherwertige Waren mit einer höheren Wertschöpfung zu produzieren. Dies soll langfristig auch das Image Chinas verbessern - die Regierung hofft, dass mehr qualitativ hochwertige Produkte und weniger minderwertige Produkte exportiert werden, die qualitativ zweifelhaft sind.

Welche Strategien können helfen?

Was tun, wenn man betroffen ist? Zunächst gilt es zu prüfen, ob nicht ggf. eine andere – nicht betroffene – Zolltarifnummer existiert, die ebenfalls Gültigkeit für die Ware Gültigkeit besitzt und für den Export verwendet werden kann.

Wenn bei der Produktion importierte Waren zum Einsatz kommen, wirkt sich die Steueränderung womöglich weniger gravierend aus, denn der Lieferant kann Waren für die direkte Verarbeitung zum Zwecke des anschließenden Exports steuerfrei importieren. Es wird in diesem Fall also nur ein Teil der Zukäufe besteuert.

Informationen bleiben wertvoller Rohstoff.

Plant man den Einstieg in den Beschaffungsmarkt China, sollte man auf jeden Fall die Entwicklung der Rückvergütung von 2007 bis 2008 prüfen, um ein Gefühl dafür zu bekommen, welche Änderungen hier in Zukunft noch eintreten könnten.

Als Fazit bleibt festzuhalten, dass chinesische Produkte nicht mehr die gleiche Preisstabilität wie noch vor einigen Jahren haben. Dennoch ist es aufgrund der politischen Struktur in China möglich, relativ genau vorherzusehen, in welchem Rahmen sich die Preisentwicklung kurz- und mittelfristig abspielen wird – außer es kommt zu überraschenden unvorhergesehenen Maßnahmen. Um die Auswirkungen von wirtschaftspolitischen Maßnahmen vorhersehen zu können, sollte die Politik der chinesischen Regierung aufmerksam verfolgt werden, gerade in Bezug auf die Branchen, bei denen Einschnitte vorgenommen wurden. Ende Juli 2007 kündigte Peking beispielsweise an, die Lohnveredelung in China zu beschränken. Auch die Auswirkungen der Bemühungen, Mindestlöhne durchzusetzen, gilt es aufmerksam zu beobachten.

Übrigens: Falls Ihnen die Zeit fehlt selbst auf dem Laufenden zu bleiben, informieren wir Sie gerne darüber, wie wir Sie rund ums Einkaufen in China unterstützen können.

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Quelle: EZB, alle Angaben ohne Gewähr.