#6 Import aus China – und die Vorschriften

Vorschriften? Ja, Vorschriften - für den Handel zwischen China und Deutschland existieren diese zu Genüge. Denn der globale Handel ist keineswegs so frei, wie man denken könnte. Als Importeur ist man dazu gezwungen, zahlreiche Importbeschränkungen und Regularien zu beachten. Dies geschieht jedoch in Ihrem eigenen Interesse, denn es haftet keineswegs der Hersteller, sondern derjenige, der ein Produkt in die EU einführt bzw. es dort „in den Verkehr bringt“.

In den folgenden Zeilen wollen wir einen kurzen Überblick über die wichtigsten Themenbereiche liefern. Dieser dient jedoch nur einem ersten Überblick, eine vollständige Abhandlung würde den verfügbaren Platz übersteigen.

Als Importeur werden Sie sich also auf jeden Fall deutlich tiefer mit der Materie beschäftigen müssen, alternativ sollten Sie kompetente Beratung in Anspruch nehmen.

Keine gute Idee ist es, sich darauf zu verlassen, dass Ihre chinesischen Geschäftspartner die einschlägigen Bestimmungen schon kennen. Die Paragraphen und Anweisungen sind mittlerweile so umfangreich und komplex, dass auch die meisten europäischen Unternehmer längst keinen Überblick mehr haben. Chinesischen Unternehmern wird es da sicher kaum besser gehen...


Was darf man überhaupt importieren?


Eine gute Frage, die gar nicht leicht zu beantworten ist. So gibt es beispielsweise Produkte, die der Importüberwachung, Mengenbeschränkung oder anderen Restriktionen unterliegen, wie z.B. landwirtschaftliche Erzeugnisse, Tabak, Waffen, Textilien. Hier müssen die entsprechenden Regelungen unbedingt eingehalten werden.

Als logisch mögen einem die Beschränkungen und Verbote erscheinen, die zum Beispiel beim Import gefälschter und raubkopierter Produkte gelten. Das Problem: Auch wenn Sie die Plagiate gar nicht als solche erkannt haben, sind Sie dafür verantwortlich. Es drohen Ihnen Zerstörung aller Produkte (natürlich ohne finanziellen Ausgleich) und ein Gerichtsverfahren.

Weitere Beschränkungen bestehen beispielsweise bei genetisch manipulierten Organismen, beim Import von lebenden Tieren oder auch für chemische Produkte, die bestimmte Stoffe, wie z.B. Quecksilber enthalten.


So wird die europäische Wirtschaft geschützt

Um die Wettbewerbsfähigkeit europäischer Hersteller zu wahren, wurden unter anderem Importbeschränkungen eingeführt. So gelten beispielsweise für den Import chinesischer Textilien Beschränkungen, die aber ab 2008 vollständig aufgehoben sein werden. Bereits 2005 aufgehoben wurden entsprechende Beschränkungen für Schuhe (teilweise), Porzellan, Keramik, Tischgeschirr und Küchenartikel.

Darüber hinaus werden in Einzelfällen weitere „Anti-Dumping-Maßnahmen“ gegen Produkte aus China verhängt. So ist für Kompaktleuchtstoffröhren (so genannte Energiesparlampen) ein Zoll in Höhe von 66,1 % fällig. Ähnlich werden Lederschuhe besteuert. Und auch für Taschen aus PE zahlt man einen „Strafzoll“ in Höhe von 28,8 % – allerdings verfügen 130 Produzenten über eine Ausnahmeregelung.

Was ist drin im importierten Produkt?

Gesundheit und Umweltschutz sind zwei Themenfelder, die in der EU groß geschrieben werden. So gibt es beispielsweise Bestimmungen zur Begrenzung des Nickelanteils in Produkten, die direkten Hautkontakt haben, wie z.B. Uhren, Schmuck, aber auch Jeansknöpfe.

Seit Anfang 2007 gilt ein Verbot von bestimmten Phthalaten (Weichmachern) in PVC-Spielzeugen und Kinderartikeln. Verboten sind auch Kleidung, Schuhe und Lederartikel, die Azo-Farbstoffe enthalten, aus denen sich aromatische Amine entwickeln können.

Interessant im Feld des Umweltschutzes ist die Elektroschrottverordnung, die vorschreibt, dass der Importeur die Rücknahme und Entsorgung alter Elektrogeräte gewährleisten und bezahlen muss - auch noch nach vielen Jahren. Weitere Richtlinien schreiben Grenzwerte für gefährliche Substanzen vor. Dabei muss berücksichtigt werden, dass für ganz ähnliche Elektroprodukte völlig verschiedene Richtlinien gelten können.


Bescheinigungen sind nicht immer das Papier wert, auf dem sie stehen


Rund um die Sicherheit von Geräten und Produkten gibt es selbstverständlich eine Menge von schriftlichen Nachweisen. So wird für gewisse Artikel eine Konformitätserklärung verlangt, die bescheinigt, dass sie den geltenden Vorschriften entsprechen. Diese Konformitätserklärung können Sie selbst abgeben oder vom TÜV testieren lassen, wenn Sie ganz sicher gehen wollen. Die Produkte müssen dann mit dem CE-Zeichen gekennzeichnet sein und die Adresse des Importeurs in die EU tragen. Das betrifft beispielsweise Spielzeug, Druckbehälter, Sportboote, Aufzüge und noch vieles mehr.

Vorsicht: Im Zweifelsfall muss vom Produzent oder Importeur bewiesen werden, dass der Artikel tatsächlich den nötigen Vorschriften entspricht. Das geht dann nur über einen Test im unabhängigen Labor, z.B. beim TÜV.  Der Zoll darf im Zweifel die Ware festhalten und die Prüfung verlangen.

Wichtig ist auch zu wissen, dass es weitere Normen gibt, die rechtlich zwar nicht bindend sind, aber im Sinne des Käuferschutzes als Standard angesehen werden. Dazu gehören beispielsweise DIN, ISO oder BS. So entspricht beispielsweise eine Steckdose üblicherweise in Deutschland der DIN VDE. Wenn das nicht so ist, ist das ein Problem des Importeurs.


Wie können Sie Produktqualität sicherstellen?


Versäumen Sie keinesfalls, alle Zertifikate genau zu überprüfen (bspw. durch Vergleich der Zertifikatsnummer mit den Unterlagen beim ausstellenden Testinstitut). Dabei ist auch entscheidend, ob das zur Verfügung gestellte Muster überhaupt baugleich mit dem Muster ist, das zur Zertifizierung verwendet wurde. Für die Prüfung ist allerdings die Vollmacht des Herstellers nötig, da sonst der Testbericht nicht eingesehen werden darf.

Übrigens: Einige Zertifikat (z.B. GS) sind laufzeitbegrenzt und das Zertifikat muss nach fünf Jahren erneuert werden. Deshalb sollten Sie auf das (möglichst aktuelle) Datum des Zertifikats achten.


Senken Sie Ihr Risiko weiter


Ein empfehlenswerter Ablauf, mit dem Sie bei ordnungsgemäßer und fachkundiger Durchführung auf der sicheren Seite sind, sieht beispielsweise so aus:

  • Muster-Prüfung
  • Prä-Produktions-Prüfung (vor Produktionsbeginn werden beispielsweise bereits die Rohmaterialien und das Qualitätsmanagement geprüft)
  • Inspektion während der Produktion (z.B. nach Produktion von 10 % der geplanten Menge), um Zeitverluste möglichst gering zu halten, falls es doch Probleme geben sollte
  • Warenendabnahme
  • Überwachung der Verladung
  • Vor-Ort-Auditierungen


Sämtliche Prüfungen sollten durch erfahrene Personen erfolgen, die mit der Materie und den aktuellen Vorschriften vertraut sind.

Gut zu wissen: Die Prüfzeichen GS, TÜV-cert und ETL verified beinhalten eine regelmäßig wiederholte Fabrikinspektion, die sicherstellt, dass die Produktion mit gleich bleibender Qualität erfolgt und die Produkte mit den Mustern, die zur Zertifizierung verwendet wurden, identisch sind.


Wenn doch einmal etwas schief geht: Hoffentlich sind Sie gut vorbereitet


Wenn doch einmal etwas passiert, hat der Importeur ein Problem, nicht der Hersteller in China. Denn nach dem Produkthaftungsgesetz haftet zunächst der Inverkehrbringer in die EU, häufig der Importeur. Selbst wenn es Ihnen gelingen sollte, ein Verschulden des Herstellers nachzuweisen, wird es schwer, diesen dazu zu bringen, für den entstandenen Schaden aufzukommen.

Grund genug, auf jedes Detail selbst aufmerksam zu achten und sicherzustellen, dass alles gut geht.

Sollten Sie sich unsicher sein, empfiehlt sich auf jeden Fall qualifizierte Beratung zum Import aus China, damit Sie nicht in eine der zahlreichen Fallen zu tappen.

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Quelle: EZB, alle Angaben ohne Gewähr.